Foto: Drew Graham

Periorale Dermatitis: Das passiert, wenn du deine Haut überpflegst

Viel hilft viel? Das Motto mag in manchen Fällen durchaus seine Berechtigung haben, beim Thema Kosmetik kann sich ein Übermaß an Hautpflege aber ganz schnell ins Gegenteil kehren.

Denn wer zu viel peelt, cremt und schminkt, hat oft mit Pickeln und Rötungen zu kämpfen, die so gar nichts mit einem reinen, strahlenden Hautbild gemein haben. Die logische Konsequenz? Man schenkt genau diesen Partien noch mehr Aufmerksamkeit, mit dem Glauben, sie würden dadurch so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Ein großer Fehler. Denn anstatt das Hautproblem dadurch zu beheben, verschlimmert man es sogar noch.

Periorale Dermatitis: Überpflegung durch zu viel Kosmetik

Man nennt dieses Phänomen Periorale Dermatitis, umgangssprachlich auch als Stewardessen-Krankheit bekannt. Denn Flugbegleiterinnen neigen dazu, ihre Haut besonders übermäßig zu pflegen und zu schminken – das mag an der trockenen Luft im Flugzeug liegen und daran, dass sie – Duty-Free-Shops sei dank – ständig neue Beauty-Produkte aus aller Welt ausprobieren können. 

Doch heutzutage betrifft die Krankheit längst nicht mehr nur bestimmte Berufsgruppen, das Meer an Beauty-Produkten ist ja mittlerweile jedem zugänglich. Zu schnell kauft man ein Hype-Produkt, das vielleicht gar nicht zum eigenen Hauttyp passt.

Wenn das nächste Produkt lanciert wird, will man natürlich auch dieses ausprobieren. Und wenn man dann zu viele Produkte mit zu unterschiedlichen Wirkstoffen miteinander kombiniert, überfordert das die Haut regelrecht. Das Ergebnis: Circa sechs Prozent der 16- bis 45-jährigen Frauen in Deutschland sind von der Perioralen Dermatitis betroffen. 

Wie erkennt man eine Periorale Dermatitis? 

Dr. Miriam Rehbein, die Münchner Fachärztin für Dermatologie, erklärt uns: „Eine Periorale Dermatitis macht sich zu Beginn als ein rötlicher Hautausschlag in Form von Bläschen, Pickeln, Knötchen und Schuppung rund um den Mund herum (perioral) bemerkbar.“ Ein schmaler Rand rund um die Lippen bleibt ausgespart. Im Verlauf können sich die Hautirritationen auf weitere Gesichtspartien wie etwa den Nasenbereich ausbreiten. Mitunter kann es zu Juckreiz oder einem brennenden, spannenden Hautgefühl an besagten Stellen kommen. Die Krankheit ist zwar ungefährlich und nicht ansteckend, für Betroffene jedoch äußerst unangenehm. Wird die Periorale Dermatitis nicht richtig behandelt, kann es Monate dauern, bis die Balance der Haut wieder hergestellt ist. 

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Zwischen all den perfekt retuschierten Bildern und dem fleeky Make-up nunmal ein bisschen #REALTALK • Seit längerer Zeit, kamen nur noch Bilder aus vergangenen Shootings und nichts Aktuelles. Der Grund? 🔝 Seit April wurde meine Haut immer schlimmer und ich wusste nicht wovon es kommt, da sowas ja etliche Gründe haben kann. Das es etwas mit dem Absetzen der Pille, Anfang des Jahres, zutun haben könnte, kam mir nicht in den Sinn, da es zu diesem Zeitpunkt schließlich schon 4 Monate her war. Ich versuchte mit allen Mitteln meine Haut wieder in den Griff zu bekommen,da ich mich so unwohl wie schon lange nicht mehr fühlte. Diese war jedoch mit allem Überfordert,mit dieser Hormon-Umstellung und den ganzen Cremes,Masken,dem Make-up (natürlich wollte und will ich mich so nicht in der Öffentlichkeit zeigen) etc. ,womit ich sie in den letzten Monaten ständig zugekleistert habe. Letztendlich entwickelte sich daraus eine Periorale Dermatitis.Zuerst war es eine reine Selbstdiagnose, schließlich wurde es mir aber von meiner Hautärztin bestätigt. Diese hat mir nun vergangene Woche eine Creme mit einem Antibiotikum verschrieben, wovon es wieder besser werden soll,aber auch das kann bis zu 4 Wochen dauern. Worauf ich hinaus will;geht zu einem Arzt und lasst euch dort beraten,bevor ihr eine Selbstdiagnose stellt und es mit zahlreichen Produkten aus der Drogerie versucht. UND GANZ WICHTIG!!! Ihr seid schön,mit all euren Makeln. Pickel,Narben,Dehnungsstreifen und so weiter. All das ist vollkommen natürlich,nur leider bekommt man von einem Großteil der sozialen Medien eingetrichtert,man müsste diese verstecken.Ich selbst traue mich selbst kaum so aus dem Haus und wenn doch,fühle ich mich schrecklich. Diesen Post online zu stellen,hat mich eine Menge Überwindung gekostet,aber ich denke,dass ich vielen Frauen damit aus der Seele spreche und ihnen wenn auch nur ein klitzekleines bisschen Mut machen kann,auch mir selbst. Natürlich ist nicht jeder Körper gleich,nicht jeder bekommt Pickel nach dem Absetzen der Pille,nicht jede Haut reagiert so.Das sind nur meine Erfahrungen,aber ich hoffe ich kann einigen damit helfen. • #mehrrealitätaufinstagram

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Zuviel des Guten: Was passiert bei der Perioralen Dermatitis? 

„Die genauen Ursachen für eine Periorale Dermatitis sind unklar und werden noch erforscht. Meist ist eine übertriebene oder falsche Pflege schuld. Das zerstört nämlich die natürliche Barrierefunktion der Haut“, so die Dermatologin. Die Hornschicht quillt auf, die Haut kann keine Feuchtigkeit mehr speichern, sie spannt, trocknet aus, hauteigene Fette können kaum mehr produziert werden und Keime sich leichter ansiedeln. Also bleibt der Haut keine andere Wahl: Sie reagiert mit Rötungen, Entzündungen, Pickeln und Pusteln. 

Der Tipp der Expertin: Wer den typischen Ausschlag im Gesicht bemerkt, sollte direkt einen Dermatologen aufsuchen. Dieser kann feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Periorale Dermatitis handelt. Oder möglicherweise doch um eine andere Hautkrankheit wie Akne oder Rosazea, die dem Erscheinungsbild der Stewardessen-Krankheit sehr ähneln. 

Kosmetik-Pause: Das hilft bei einer Perioralen Dermatitis

So hart das für manchen Beauty-Junkie auch sein mag, aber ab dem Zeitpunkt der Diagnose sollte auf sämtliche Hautpflege- und Kosmetikprodukte verzichtet werden. Die sogenannte Nulltherapie. Man reinigt das Gesicht lediglich mit warmem Wasser und tupft es anschließend vorsichtig trocken. Nur so hat die Haut die Chance, ihr Gleichgewicht wieder herzustellen. Das erfordert Disziplin und Geduld. Bis alle Symptome abgeklungen sind, können mehrere Wochen vergehen. 

Keinesfalls sollte man im Alleingang mit Kortisonsalben hantieren. Auch wenn sie vielleicht kurzfristig für Linderung sorgen, können die Beschwerden nach dem Absetzen schlimmer sein als vorher. „Diese Präparate greifen die Hautbarriere noch zusätzlich an“, sagt Dr. Rehbein. „Jegliche Formen der Selbsttherapie sollte man unterlassen, dazu gehören auch Experimente mit neuen Cremes, Peelings – weder mechanisch, chemisch noch enzymatisch.“ Auch auf LSF sollte man verzichten. Und das bedeutet folglich auch: kein direktes Sonnenlicht. Was auch gerne gemacht wird und ein großer Fehler ist: eine fluorhaltige Zahncreme aufzutragen. Fluorid kann nämlich sogar der Auslöser für eine Periorale Dermatitis sein, erklärt die Hautärztin weiter. 

Sind die Entzündungsareale besonders schlimm, empfiehlt sie die Nulltherapie in Kombination mit Antibiotika. „Je nach Schwere der Hautkrankheit stellt man nach zwei Wochen die ersten Verbesserungen des Hautbilds fest, insgesamt dauert der Heilungsprozess circa sechs Wochen.“ 

Der Weg zurück zur Beauty-Routine 

Wer eine Periorale Dermatitis überstanden hat, sollte im nächsten Schritt gemeinsam mit seinem Hautarzt eine adäquate Pflege aussuchen. Weniger und mildere Hautpflege-Produkte als bisher sollten zum Einsatz kommen. Auf Peelings, Toner oder Säuren erstmal verzichten. 

So kannst du einer Überpflegung vorbeugen 

Das Wichtigste ist, immer nur Produkte zu verwenden, die zum Hauttyp passen. „Man sollte bei einer vernünftigen Pflegeroutine bleiben und nicht ständig wechseln“, rät Dr. Rehbein. Außerdem können Zusatzstoffe Allergien auslösen. „Auf Nummer sicher geht man daher, wenn man auf milde Produkte setzt, die pH-neutral und idealerweise auch frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind.“ Die Expertin empfiehlt zudem, im Gesicht ganzjährig Lichtschutzfaktor 50+ aufzutragen sowie sich naturbelassen und ausgewogen zu ernähren. Das heißt: Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol, Nikotin und stark gewürzte Speisen.

Und: Der Haut immer mal wieder Verschnaufpausen gönnen – das gilt sowohl fürs Make-up als auch für die Creme. 

Jessica Simon
Mode, Beauty, Fitness, Reisen – nur selten hat man die Chance, seine Hobbys zum Beruf zu machen. Als Journalistin schreibe ich täglich über Themen, die mich auch in meiner Freizeit beschäftigen, die Zerstreuung schenken, die aber auch zum Nachdenken anregen. Mal mit einem Augenzwinkern, mal mit dem nötigen Ernst. Welche Thematik mir aktuell auf den Nägeln brennt: der achtsame Umgang mit sich, seinem Körper und der Umwelt. Und dieses Magazin ist die perfekte Plattform dafür...