Foto: Larm Rmah

Jahreskreisfeste: So kehrst du zurück zu einem Leben im Zyklus der Natur

Ein Gastbeitrag von Christina Danetzky von Matcha Mornings.

Als Gesellschaft haben wir Menschen uns abtrainiert, was jedes Tier instinktiv weiß: Im Winter ist Zeit für Rückzug angesagt. Und genau so wie wir es täglich unseren Handys gönnen, sollten auch wir uns im Winter Zeit dafür nehmen, unsere Batterien wieder aufzuladen, um im Frühling mit geballten Kräften wieder aufzublühen. 

Ihr merkt schon: viele Vergleiche zur Natur. Denn genau darin besteht die Krux: Wir Menschen haben verlernt, uns als Teil der (zyklischen) Natur zu sehen. Wir leben faktisch das ganze Jahr über im Feuerelement. Wir sind ständig im „Go, Go, Go“-Modus. Winter hingegen ist das Wasserelement und steht für Ruhe. Man kann auch sagen: Wir sind entrythmisiert. 

Hier kann uns eine Rückbesinnung zu Leben im Zyklus mit den Jahreskreisfesten unterstützen. 

Ohne iPhone, Smart Watch & Co. war es in den guten alten Zeiten noch etwas schwieriger, die Wochen und Monate im Auge zu behalten. So teilten die Kelten das Jahr in ein achtspeichiges Rad auf – mit gleichgroßen Kuchenstücken, sozusagen. Oder auch: vier sogenannten solaren Festen und vier saisonalen Festen, die jeweils einen Übergang in eine neue Zeit im Jahr markierten. 

Die vier solaren Feste: Yule & Litha zur Winter- und Sommersonnwende plus Mabon & Ostara zur Herbst- und Frühlingstagnachtgleiche 

Die vier saisonalen Feste: Samhain (keltischer Jahresbeginn), Imbolc, Beltane, Lugnasad 

Man findet noch heute Überbleibsel dieser Feste in unserer Kultur

Das mag heute vielleicht sehr altbacken klingen, doch wir finden noch immer kleine Überbleibsel dieser Bräuche in unserer Kultur. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Christentum viele dieser Feste übernommen und einfach zu ihren eigenen gemacht hat. 

Ostara, das Fruchtbarkeitsfest, lässt sich noch leicht als unser heutiges Ostern erkennen. Nur statt der Frühlingsgöttin Ostara verbinden wir das Fest heute mit dem Osterhasen (das Tier der Göttin). Das Patriarchat hat sich mal schnell eben der Anbetung einer Göttin entledigt und stattdessen huldigen wir heute der Wiederauferstehung Jesus. 

Yule wird oft auch mit Weihnachten gleich gesetzt. Während bei den Kelten am dunkelsten Tag des Jahres, dem 21.12., noch das Sonnenkind (wieder-)geboren wurde, hat das Christentum das Jesuskind daraus gemacht. 

Aber auch andere Feste sind heute noch fest in unserer Kultur verankert: So ist das moderne Äquivalent von Samhain (dem Totenfest) zum Beispiel Halloween. Und so wie wir uns zu Samhain mit unseren Ahn*innen verbinden, feiern auch die Mexikaner Día de los Muertos (den Tag der Toten). 

Die 12 Rauhnächte: So kannst du nun Wünsche für das neue Jahr formulieren

Ganz besondere Tage sind auch die zwölf Rauhnächte. Die zählen zwar nicht zu den acht Jahreskreisfesten, aber gehen ebenso auf alte Bräuche zurück. So laden die zwölf Nächte nach Weihnachten in all ihrer Stille und Pause vom Alltag zur Reflektion und Manifestation ein. 

Warum es ausgerechnet zwölf Rauhnächte sind? Die zwölf Nächte schließen die Lücke zwischen dem Mond- und Sonnenkalendar. Eine Zeit zwischen den Jahren also. Denn während wir im Sonnenkalendar 30-31 Tage im Monat messen, hat ein Mondzyklus ca. 29,5 Tage. Ergibt eine Differenz von zwölf Nächten im Jahr. 

Symbolisch steht jede dieser Nächte für einen Monat des folgenden Jahres. So können wir zu den Rauhnächten unser kommendes Jahr orakeln und Wünsche manifestieren. Der 25. Dezember steht als Omen für den Januar, der 26. Dezember für Februar und so weiter… Das machen wir zum Beispiel mit Tarotkarten, mittels einem Traumtagebuch (die Träume dieser Zeit gelten als prophetisch) oder einfach durch Stille und Meditation. 

Jahreskreisfeste: Momente für einen Self-Check

Für mich dienen all die Jahreskreisfeste als eine Art saisonale Self Check-Ins. Sie sind eine Zeit, um Resümee zu ziehen und nach innen zu schauen. Was ist in den vergangenen 6 Monaten passiert, was möchte ich in den nächsten 6 Monaten in mein Leben holen? So wie wir im Business nach Quartalen planen, setze ich mir Ziele von Winter- zur Sommersonnwende oder von Herbst- bis zur Frühlingstagnachtgleiche.

Zum Schluss noch ein schneller Überblick über die Jahreskreisfeste: 

Samhain (Halloween) – 31.10.

Zum Totenfest verbinden wir uns mit unseren Ahn*innen. Wir können auch generationenalte Wunden heilen und vergeben. Diese Zeit steht für Tod und Transformation. Wir dürfen lernen, dass der Tod kein Ende bedeutet.

Yule (Wintersonnenwende) – 21.12.

In der dunkelste Nacht des Jahres, am Zenit der Dunkelheit, wird das Sonnenkind (wieder)geboren. Heute nennen wir es Weihnachten (ursprünglich Weihenächte, wir weihen etwas).

Imbolc (Maria Lichtmess) – 1.-2.2.

Wenn die Tage Anfang Februar wieder länger werden, muss der Schmutz der finsteren Zeit weggewaschen werden. Es war ein großes Fest des Neubeginns. In einem Reinigungs-Räucherungsritual können wir neue Impulse und “frischen Wind” herbeirufen.

Ostara (Ostern) – 21.3.

Die Frühlingskräfte haben gewonnen und alles fängt wieder an zu sprießen. Der Hase – das Tier der Frühlingsgöttin Ostara – wird jetzt wegen seiner immensen Fruchtbarkeit verehrt.

Beltane (Walpurgisnacht, Maifest) – 1.5.

Am 1. Mai werden in vielen Orten noch heute Maibäume aufgestellt. Ein mächtiges Phallussymbol, das für Fruchtbarkeit stehen soll. Beim Maibaumkraxeln stellen junge, ledige Burschen ihre Potenz zur Schau und hoffen auf die Gunst der jungen Frauen. Beim sogenannten Bandltanz um den Maibaum verbandeln sich Frauen und Männer wortwörtlich.

Litha (Mittsommer, Johanni, Sommersonnenwende) – 21.6.

Die Sonne erreicht ihren Höhepunkt. Insbesondere in Schweden werden bis heute Sonnenwendfeuer entzündet, die sinnbildlich für die Feuerkraft der Sonne stehen.

Lugnasad (Maria Himmelfahrt) – 1.8.

Das Schnittfest steht für die erste Kornernte des Jahres. Auch die Kraft der Sonne wird im August immer mehr beschnitten, der Sonnenbogen wird bereits fühlbar kürzer.

Mabon (Herbsttagnachtgleiche) – 23.9.

Zum Erntedankfest beschäftigen wir uns mit der Frage: Was sind die Früchte meiner Ernte dieses Jahr? Langsam gehen wir auch wieder in die dunklere Zeit des Jahres über. Wir bereiten uns dafür vor. Das Oktoberfest hat seine Wurzeln in den großen Erntedankfesten früherer Zeiten. 

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